Reinhold Oberlercher, geboren am 17. Juni 1943 in Dresden, ist ein deutscher Theoretiker, der sich im theoretischen wie im politischen Sinne als Nationalmarxist versteht. Theoretischer Nationalmarxismus ist das auf dem Hauptwerk von Karl Marx beruhende System der Sozialwissenschaften, also der vollendete Marxismus, und politischer Nationalmarxismus ist die programmatische Überwindung des historischen deutschen Nationalsozialismus.

Oberlercher studierte von 1965 bis 1971 Pädagogik, Philosophie und Soziologie an der Universität Hamburg. Er war in der 68er Bewegung aktiv, Mitglied des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) und gehörte als SDS-Theoretiker zur nationalrevolutionären Fraktion um Rudi Dutschke, Bernd Rabehl und Hans-Jürgen Krahl. Oberlercher leitete eine Arbeitsgruppe im Hamburger SDS, die „Das Kapital“ von Karl Marx zwischen 1969 und 1972 formalisierte und die Vollendung dieses Hauptwerkes des Marxismus ins Auge faßte. Daraus entstanden in den 70er Jahren die Debatten um die Staatsableitung, um eine marxistische Deduktion des Weltmarktes und der dazugehörigen Bewußtseinsformen. Dieses 68er Theorieprogramm lief darauf hinaus, ein vollständiges System der Sozialwissenschaften zu erstellen, das auf der Warenanalyse, der Wertformenlehre und der Gelddeduktion von Karl Marx beruhte. Diese marxistische Debatte verebbte mit dem roten Jahrzehnt der 70er Jahre, und Oberlercher hat das Programm dann bis 1986 allein ausgeführt und veröffentlicht („Die moderne Gesellschaft. Ein System der Sozialwissenschaften“, Bern 1987).

Zu Beginn des Jahres 1985 verbündete sich Oberlercher mit der national gesinnten Rechten wegen der absehbaren deutschen Teilvereinigung. Unter dem Einfluß des rechten Gemeinschaftsdenkens bemühte er sich um die Dialektik von Gemeinschaft und Gesellschaft und faßte deren Wechselwirkung im Begriff des Gemeinwesens zusammen („Lehre vom Gemeinwesen“, Berlin 1994). Im September 1989 richtete Oberlercher an die DDR-Regierung seine „DDR-Denkschrift“, in der dargelegt wurde, wie die DDR durch eine eigene Wiedervereinigungspolitik den bloßen Anschluß an die BRD vermeiden könne; bekanntlich ohne Erfolg.

Im Herbst 1994 war Oberlercher Mitgründer des Deutschen Kollegs, das sich der theoretischen und programmatischen Schulung widmet und in dessen Rahmen es zwischen 1998 und 2004 zur Zusammenarbeit mit Horst Mahler kam. Es ist kennzeichnend für das Werk Oberlerchers, das 2014 mit dem „System der Philosophie“ zum Abschluß kam, daß er zu jedem seiner Studienfächer ein System abgeliefert hat.


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